Europa erfahrbar machen

Zum Start von „Wir sind Europa!“ haben wir in Magdeburg am 15. und 16. September mit Bewohnern der Stadt diskutiert. Dabei sagten uns sowohl Jugendliche verschiedener Schulen als auch Senioren, wie wichtig die persönliche Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern für ihr eigenes europäisches Bewusstsein ist.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass vor allem die Schüler Europa als pragmatischen Zusammenschluss von Ländern sehen, der sie im Alltag in ihrer Heimatstadt kaum berührt. Den Senioren fehlten Möglichkeiten, sich auf einem europäischen Level zu engagieren. „Zuhören – das haben wir in Magdeburg gelernt, ob als Politiker oder als Journalisten. Den Bürgern zuhören, das ist der Beginn, um mit ihnen gemeinsam eine neue gemeinsame Basis für Europa zu entwickeln“, sagte Anke Plättner, eine der Initiator*innen von „Wir sind Europa!“.

„Schwachstellen, Probleme und auch Ängste dürfen nicht einfach zur Seite geschoben werden”, sagte Sachsen-Anhalts Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (CDU) zu Beginn der Debatte “Open Space Europe” am Freitagabend im Kunstmuseum. In kleinen Gruppen und persönlichen Gesprächen haben wir dort ebenfalls erfahren, was die Magdeburger über Europa denken. „Die Menschen sind bewegt von dem Wunsch, in anderen Ländern unterwegs zu sein, anderen Europäern zu begegnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, fasste der Europaabgeordnete Arne Lietz (SPD) die Diskussion in seiner Runde zusammen. „Außerdem müssen wir den Menschen zeigen, wo sie sich für Europa engagieren können.“

Und ganz konkret für Jugendliche?

Wie das  aussehen kann, haben wir in der „Wir sind Europa“-Konferenz am Sonnabendvormittag diskutiert. Rainer Nitsche (CDU), Magdeburger Beigeordneter für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit, sieht die Bewerbung seiner Stadt als  Kulturhauptstadt 2025 als Schritt hin auf das Ziel, „uns als Bürger noch europäischer und internationaler werden zu lassen. Davor steht aber die Aufgabe zu zeigen, was jetzt schon für Projekte bestehen und die Magdeburger dafür zu begeistern.“

Daniel Adler, Vorsitzender der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) Sachsen-Anhalt, forderte die Vertreter der Stadt auf, konkrete Vorschläge zu nennen, wie sie vor allem junge Leute für Magdeburg als Kulturhauptstadt begeistern wollen: „Die Jugendlichen sind diejenigen, die in acht Jahren die Kulturhauptstadt leben. Wenn wir sie heute beteiligen, können sie im Jahr 2025 und danach eine aktive Rolle übernehmen.“ Als Beispiel nannte Adler, jeder Schule und jeder Jugendorganisation internationale Begegnungen zu ermöglichen.

Europa braucht Zeit

Tamás Szalay, Leiter des Magdeburger Organisationsbüros „Kulturhauptstadt 2025“ hielt dagegen, dass die Bürger die Protagonisten der Bewerbung um den Kulturhauptstadt-Titel seien. „Das Projekt muss in beide Richtungen funktionieren. Wir vom Kulturhauptstadt-Büro müssen dafür sorgen, dass es einen Rahmen gibt, die Bürger sind dazu aufgerufen, ihn zu füllen. Das wird ein Prozess, für den wir Zeit brauchen.“ Dass die Bewerbung um den Kulturhauptstadt-Titel Teil einer langfristigen Strategie sein muss, ist essenziell für Hugo de Greef, Kulturhauptstadt-Manager in Brügge im Jahr 2002. „Falls eine Stadt am Ende nicht Kulturhauptstadt wird, bleibt immer noch die Strategie.“

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