Aus Preußens Schlössern und Gärten ins „Stadtschloss“ berufen

Monika Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien, hat Hartmut Dorgerloh, den derzeitigen Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, als künftigen Intendanten des Humboldt-Forums benannt. Die Entscheidung liegt nun beim Stiftungsrat des Humboldt-Forums.

Nichts gegen den zu Recht allseits gelobten Kunsthistoriker Hartmut Dorgerloh, seine unbestrittenen Qualifikationen und seine erfolgreiche Arbeit. Aber ist er die Person, die den spezifischen, auf Internationalität zielenden Ansprüchen gerecht werden kann, die an das Humboldt-Forum gestellt werden? Frau Grütters betont, er kenne „die deutsche Politik und die kulturpolitischen Schnittstellen zwischen Bund und Ländern“. Die schwierigen politischen und bürokratischen Bedingungen „vor Ort“ zu kennen ist zweifellos von Vorteil, aber kann doch nicht ausschlaggebend für die Top-Besetzung im angekündigten „größten Kulturprojekt“ sein. Grütters‘  Anspruch war jedoch schon mal höher. Das Humboldt-Forum wünschte sie sich als eine „Einladung, Weltbürger zu sein, nicht als nationale Repräsentanz“, als eine Art exterritoriales Diskussionsforum, in dem „die ganz großen Themen der Menschheit verhandelt“, in dem „Probleme der Gegenwart debattiert und Ideen für die Zukunft“ gefunden werden.

Dafür muss der nationale Rahmen überschritten werden, auch in den Personalentscheidungen. Offensichtlich wurde keine prominente Person aus einem anderen Kulturkreis gesucht oder – ebenso schlimm – gefunden. Der Mangel an Internationalität zeigt sich auch in der bloßen Schatten- und Vorzeigefunktion, auf die die Internationale Expertenkommission beschränkt wurde.

Es ist zu befürchten, dass nach der kürzlich erfolgten Wahl des Musikethnologen Lars-Christian Koch zum Sammlungsdirektor des Humboldt-Forums nun mit dieser Entscheidung für den die Richtlinien bestimmenden Intendanten ein weiterer Schritt in Richtung Nationalisierung vollzogen wird. Sollen denn wirklich „die ganz großen Themen der Menschheit“ wieder ausschließlich in die Hände erfahrener deutscher Männer gelegt werden?


Eckhardt Barthel    Herbert Wiesner
Leiter der AG Humboldt-Forum in der Stiftung Zukunft Berlin

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