Zur Geschichte der Initiative
„A Soul for Europe“

von Nele Hertling
Initiativverantwortliche Stiftung Zukunft Berlin
Nach dem Fall der Mauer hatte sich nach anfänglich sopositiver Stimmung in Berlin eine gewisse Ernüchterung und Ratlosigkeit ausgebreitet. Es schien so, als ob Wien oder Paris zentrale Orte in Europa bleiben würden, für Berlin hatte sich noch keine neue Rolle ergeben. In dieser Situation hatte Volker Hassemer die Idee, einen Kreis von Berliner Persönlichkeiten aus unterschiedlichen professionellen Herkünften in eine Gesprächsrunde einzuladen, um nach Ideen und Lösungen zu suchen.
Aus diesen Runden entstand der Plan einer großen internationalen Konferenz, die vor allem Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Kultur über alle Grenzen hinweg zusammenbringen sollte. Mit Unterstützung von Richard von Weizsäcker gelang es, die Zusage für eine Finanzierung von der Kulturstiftung des Bundes zu bekommen.
Gemeinsam mit Volker Hassemer und anderen arbeitete ich an der Planung für eine solche Begegnung. Es war unser Anliegen, vor allem auch die Politik davon zu überzeugen, dass Kultur ein unverzichtbarer Partner sein muss, im großen Prozess der friedlichen Einigung Europas. Dafür luden wir herausragende Persönlichkeiten aus Ost- und Westeuropa – Politiker:innen, Künstler:innen, Vertreter:innen aus der Wirtschaft und vor allem aus der Zivilgesellschaft – nach Berlin ein, um hier am 26. und 27. November 2004 an der ersten Berliner Konferenz „Europa eine Seele geben“ teilzunehmen. Den Titel hatte uns Jaques Delors, den wir in Paris besuchten, da er leider nicht nach Berlin kommen konnte, überlassen.
Neben führenden Politiker:innen aus Deutschland und Europa gab die Präsenz von Manuel Barroso, dem gerade gewählten Präsidenten der Europäischen Kommission, der Konferenz eine zusätzliche politische Aufmerksamkeit und Bedeutung. Aus dieser Gruppe entstand der Beschluss, auf der Grundlage der in der Konferenz behandelten Themen weiterzuarbeiten und Ergebnisse in aktive Projekte umzusetzen. Auf der Basis einer finanziellen Unterstützung mehrerer europäischer Stiftungen konnte Volker Hassemer diese Arbeit in die entstehende „Stiftung Zukunft Berlin“ übernehmen.
Zahlreiche Projekte quer durch Europa konnten umgesetzt, alle zwei Jahre eine weitere Berliner Konferenz veranstaltet werden. Nach Ende der internationalen finanziellen Förderung und der Konferenz 2008 haben sich die aktiven Mitstreiter zur Fortsetzung dieser gemeinsamen Initiative
entschieden und sich als „Strategiegruppe A Soul for Europe“ neu formiert. Daraus sind zahlreiche Begegnungen, Foren und Debatten in verschiedenen europäischen Ländern möglich geworden und seit 2008 die jetzt jährliche Berliner Konferenz in der Verantwortung und mit Hilfe der „Stiftung Zukunft Berlin“.
Für mich ist diese bürgerschaftliche zivile Initiative ohne hierarchische Strukturen ein nachahmenswertes Modell politischer Arbeit – eine Chance für den so notwendigen Prozess des europäischen Zusammenwachsens.
