Lesen für viele statt Luxus für wenige: Breite Einigkeit beim Kulturpolitischen Salon für schnellen Umzug der ZLB in die Galeries Lafayette

13/11/2023 17:00
SZB

Letzte Chance Lafayette? Unter diesem Motto wurde am 13. November im CLB am Moritzplatz im Rahmen des Kulturpolitischen Salons (Teil des Berlin-Forums der Stiftung Zukunft Berlin) zur Zukunft der ZLB diskutiert. Rund 50 Gäste, darunter interessierte Bürgerinnen und Bürger, sowie Vetreter:innen der Zivilgesellschaft, Politik und Presse kamen zur Diskussionsveranstaltung, die von Janika Gelinek und Sonja Longolius vom Literaturhaus Berlin moderiert wurde. 

10.000 neue Besucher:innen täglich für die Friedrichstraße. Breite Einigkeit herrschte auf dem Panel darüber, die „Jahrhundertchance“ eines Umzuges der ZLB in die ab Ende 2024 leerstehenden Gebäude der Galeries Lafayettes beim Schopf zu packen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass eine Zentral- und Landesbibliothek im Lafayette Gebäude ein repräsentativer Anlaufpunkt und zentraler Demokratieort für die Berlinerinnen und Berliner wäre. 

Der Architekt Juan Lucas Young (Sauerbruch Hutton Architekten), bezeichnete das Projekt als „brilliant, zeitgemäß und extrem innovativ“. Das Projekt würde weit über Berlin hinaus neue Maßstäbe setzen.

Der Doyen der diskursiven Stadtentwicklung, Stadtplaner Urs Kohlbrenner erklärte: „Berlin sollte jetzt zu Potte kommen. Wenn wir die Gunst dieser Möglichkeit nicht nutzen, wird es Jahrzehnte dauern, bis eine neue Idee zur ZLB realisiert wird. Aber es ist auch wichtig, jetzt die Auswirkungen für die betroffenen Standorte gründlich zu prüfen, vor allem in Bezug auf eine Nachnutzung des AGB-Gebäudes.“ Er rief Berlin auf rasch zu handeln, aber trotzdem gründlich zu sein.

Ideen für die Nachnutzung der AGB gibt es bereits – einige wurden auch während der Veranstaltung angesprochen.

Dr. Lech Suwala, Professor für Stadt- und Regionalökonomie von der Technischen Universität Berlin, erklärte „in Berlin laufen wir den Doppelstrukturen noch immer hinterher“ und bezog sich somit auf die provisorische Lösung zweier Standorte der ZLB am Blücherplatz und in der Breiten Straße in Mitte.

Die Vorteile einer Umnutzung des Kaufhauses zur Bibliothek wurden von allen sowohl ökonomisch, ökologisch als auch organisatorisch begründet. Das moderne Gebäude erfülle bereits alle baulichen Anforderungen – so bspw. auch zum Brandschutz und den Fluchtwegen. Die Immobilie biete genug Platz für den riesigen Bestand, wäre architektonisch ein Gebäude mit Strahlkraft für die Bevölkerung und sowohl klimatechnisch erheblich günstiger als ein Neubau. Die Kosten eines Neubaus lägen mit Sicherheit viel höher, wenn man die normalen Baupreissteigerungen annimmt. Zudem sei es nachhaltig und sinnvoll, ein bestehendes Gebäude umzufunktionieren. Gleichzeitig würde ein zentraler Ort zur Breitenbildung und ein wichtiger Demokratieort geschaffen werden. 

Dr. Hannelore Vogt, Direktorin Stadtbibliothek Köln, bekräftigte, dass eine Verdoppelung oder Verdreifachung der bisherigen Besucherzahlen bei solch einem Projekt aus Erfahrung zu erwarten sei. Zudem war Berlin mit dem Bau der AGB in den 50er Jahren maßstabssetzend. Und wäre es mit der ZLB im Lafayette abermals.

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Sven Sappelt und Andreas Richter, beide Mitglied im Forum Zukunft Kultur der Stiftung Zukunft Berlin, leiteten die Veranstaltung ein und fassten die aufschlussreiche Runde zum Ende zusammen: Die Komplexität der verschiedenen zu betrachtenden Aspekte dieses Projekts wurden innerhalb des Austauschs deutlich. Aber auch, wie notwendiges ist, gründlich zu prüfen und rasch zu entscheiden.   Andreas Richter sagte abschließend: „Wenn diese Chance verpasst wird, ist die ZLB tot!“

Auf dem Panel saßen: 
Prof. Urs Kohlbrenner, Stadtplaner und Architekt,
Prof. Dr. Lech Suwala, Technische Universität Berlin, Stadt- und Regionalökonomie,
Dr. Hannelore Vogt, Direktorin Stadtbibliothek Köln, und 
Juan Lucas Young, Sauerbruch Hutton Architekten