Jahresauftakt Nachbarn bei Nachbarn 2026: “VEB Elfenbeinturm“ Petzow

Ein Ort, der trotz Regen strahlt

Am Sonntag den 19.04.2026 lud die AG Nachbarn bei Nachbarn, gemeinsam mit der Brigitte Reimann-Gesellschaft e.V., dem Landkreis Potsdam-Mittelmark und der Kulturkirche Petzow zur ersten dramaturgischen Lesung diesen Jahres, mit Texten von Brigitte Reimann sowie weiteren
Gästen der Villa Schwielowsee, im Rahmen der Reihe Nachbarn bei Nachbarn – Lesungen in Brandenburgs Dorfkirchen ein.

Die erste dramaturgische Lesung des Jahres 2026, organisiert von der AG Nachbarn bei Nachbarn in Kooperation mit der Brigitte Reimann-Gesellschaft e.V., dem Landkreis Potsdam-Mittelmark und der Kulturkirche Petzow, wurde zu einem lebendigen Zeugnis der Verbindung von Literatur, Geschichte, Geografie und Gemeinschaft.

Literatur als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Petzow, ein malerischer Ortsteil von Werder (Havel) mit etwa 500 Einwohnern, ist nicht nur für seine Natur zwischen Schwielowsee und Glindower See bekannt, sondern auch für sein kulturelles Erbe: das Schloss Petzow, die historische Dorfkirche und den von Peter Joseph Lenné gestalteten Landschaftspark. Wie Fred Wander einmal schrieb:

„Liebe Freunde, wir finden Petzow immer schöner. Wozu in die Ferne schweifen – so was Schönes wie Petzow findet man nirgends.[…] Das, was der Mensch braucht, kann man überall finden.“

Nach einer Führung durch den Ort durch den Heimatverein Petzow, bei dem die Gäste das idyllische Petzow und seine bewegte Geschichte erkunden konnten, folgte die durch frühlingshafte und beschwingte Klavierbegleitung durch Herrn Markus Bleß untermalte Kirchen-Lesung – inszeniert und vorgetragen von Schauspielerin Sanne Schnapp dramaturgisch. Die Kulturkirche Petzow, bereitgestellt als Veranstaltungsort vom Landkreis Potsdam Mittelmark unter der Organisation von Doris Patzer, hat sich als Ort für Konzerte, Lesungen und kulturellen Austausch etabliert – ein perfekter Rahmen für die diesjährige Veranstaltung.

Petzow: Mehr als ein Schreibort – ein Ort des Lebens, des Widerstands und der Sehnsucht

Auftaktgebend zur Veranstaltung plädierte Richard Meng als Vorstand der Stiftung Zukunft Berlin und Mitglied der AG Nachbarn bei Nachbarn dafür, bürgerschaftliches Engagement zu unterstützen und anzuregen, denn:

“…dieses Engagement kommt nicht von selber. Wir haben das Gespräch zwischen Berlin und Brandenburg zu unserer Aufgabe gemacht. Das Kennen lernen von Menschen, Gegenden und Orten bringt einen zusammen und schafft das Gefühl, viel mehr als gedacht miteinander zu tun zu haben. Und das, trotz oder gerade wegen der vor fast 30 Jahren gescheiterten Volks-Abstimmung über die Fusionierung der beiden Länder.”

Im Mittelpunkt der darauf folgenden Lesung standen reflektierende Erinnerungstexte und Gedichte von Autor:innen, die in der Villa am Schwielowsee 87/93 beherbergt und kreativ tätig waren – darunter Brigitte Reimann, Siegfried Pitschmann, Werner Liersch, Klaus Walther, Christa Kožik, Thomas Rosenlöcher, Günter Grass, Volker Braun, Rainer Kirsch, Heinz Kahlau, Jens Gerlach und Hans-Eckardt Wenzel. Dabei kamen sowohl Prosa, Bericht und Lyrik der beheimateten Autor:innen zu Wort, die den Ort als Heimatort, als Ort des Austauschs, des Ausklangs, des Rückzugs, des Einkehrens wie auch der aufgeheizten Diskussion, der Feierei und des Lustwandelns beschrieben. Die Auswahl und Kuration der Texte erfolgte durch Maria Brosig, die Lyrik, Prosa und Berichte der Autor:innen zu einem vielstimmigen Porträt des Ortes zusammenfügte.

Die Villa am Schwielowsee war von 1955 bis 1990 nicht nur ein Schriftstellerhaus, sondern auch ein Ort des Austauschs, der Erholung, des Widerstands. Hier wurde gearbeitet, geschrieben, diskutiert – und vor allem gelebt. Die Stiftung Zukunft Berlin und die Brigitte Reimann Gesellschaft, betonten, wie wichtig es ist, dass solche Orte der Erinnerung und der Begegnung erhalten bleiben: „Es braucht also den Menschen, der den Ort erinnert” – und damit wieder lebendig macht.

Nach 10 Jahren konnte die Lesung aus dem Band Petzow – Villa der Worte erneut an die Bedeutung dieses Ortes erinnern und Menschen zusammenbringen. Petzow ist längst zu einem Sehnsuchtsort geworden, der für viele Autor:innen und Gäste ein Symbol für Freiheit, Versöhnung und kreativen Austausch war. So auch für Heinz Kahlau:

“Hier bin ich unter Leuten fast allein […]– und kann abwarten, ob ich menschlich werde…”

Kooperationen und Dank

Wir danken für die erfolgreiche Kooperation und tolle Unterstützung der Brigitte Reimann Gesellschaft e.V. sowie dem Landkreis Potsdam Mittelmark für die Bereitstellung der Kulturkirche Petzow. Ein besonderer Dank gilt allen Gästen sowie den Künstler:innen, die mit ihrer Anwesenheit die lebendige Tradition Petzows als Ort der Begegnung fortsetzten!

Seit Oktober 2013 veranstaltet die Stiftung Zukunft Berlin Lesungen mit Künstlerinnen und Künstlern aus Berlin in einer der zahlreichen wunderbaren Dorfkirchen Brandenburgs. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es nach wie vor, dass Berliner und Brandenburger einander und die Umgebung kennenlernen und gemeinsam einen wunderbaren Nachmittag in Brandenburg verbringen.