Metropolregion im Aufbruch: Herausforderungen meistern, Chancen nutzen – das Zukunftsforum Berlin Brandenburg

Berlin und Brandenburg vor der historischen Chance: Wie die Hauptstadtregion durch gemeinsame Stärke zur Innovationsmetropole Europas wird – ein Rückblick auf das erste Zukunftsforum Berlin Brandenburg 2026

Im Goldberger Saal des Veranstaltungspartners VBKI startete mit dem Zukunftsforum Berlin Brandenburg zum Thema “Zukunft Wirtschaft – Anspruch und Wirklichkeit einer Metropolregion” eines der zentralen Projekte der Stiftung Zukunft Berlin zur Vernetzung der Berliner und Brandenburger Wirtschafts- und Forschungsszene in diesem Jahr.

Zum Thema “Wird Berlin-Brandenburg zu einer echten Boom-Region mit europäischer Ausstrahlung – oder werden die vorhandenen Chancen durch zögerliche Abstimmung und mangelnden politischen Gestaltungswillen verspielt?” wurde am vergangenen Donnerstag gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft und vieler zuvilgesellschaftlicher Organisationen diskutiert.

Zentrale Fragen des Veranstaltungen waren:

  • Wie kann die gemeinsame Wirtschaftsförderung konkret aussehen?
  • Wie gelingt es, die Menschen mitzunehmen – insbesondere in Zeiten des Wandels?
  • Wie kann die Region als Einheit auftreten?

Nutzen des Potentials beider Länder in enger Zusammenarbeit

Das Zukunftsforum Berlin-Brandenburg identifizierte zentrale Herausforderungen für die wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder. Trotz struktureller und wirtschaftlicher Stärken – insbesondere in Innovation, Forschung und industrieller Dynamik – fehlt es an verbindlicher Kooperation und gegenseitiger Wahrnehmung. Wie Richard Meng (SZB-Vorstandsmitglied und Mit-Initiator der Initiative Zukunftsforum Berlin Brandenburg) in seiner Begrüßung betonte: „Die Region verkauft sich unter Wert – immer noch. Das Potenzial ist da, aber Berlin und Brandenburg hängen zurück bei der Entwicklung eines gemeinsamen attraktiven Profils.“

Franziska Giffey (Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Berlin) unterstrich in Ihrer Rede die Notwendigkeit, die Metropolregion als Ganzes zu denken: „Die wirtschaftliche Stärke unserer Metropolregion mit rund sechs Millionen Menschen liegt in der engen Zusammenarbeit von Berlin und Brandenburg: Innovation, Forschung und kreative Dynamik treffen auf Industrie, Handwerk und Raum für Wachstum.“

Doch die Praxis zeigt: Abstimmungsdefizite und ein Mangel an gemeinsamer Strategie behindern die Entwicklung. Sven Weickert (Unternehmerverbände Berlin Brandenburg e.V.) verwies in seinem Vortrag über die dieser Veranstaltung zugrunde liegende Studie und dem von der Stiftungsinitiative ausgearbeiteten Thesenpapier auf die Dringlichkeit, eine industrielle Basis zu erhalten und die Wettbewerbsfähigkeit durch Kostendämpfung zu sichern.

André Fritsche (IHK Cottbus) ergänzte, dass Berlin und Brandenburg zu wenig als Einheit gedacht werden – insbesondere die Grenzregionen müssten stärker einbezogen werden.

Roland Sillmann (Wista GmbH) betonte die drei „T“ als Erfolgsfaktoren für einen nachhaltigen Wohlstand: Talente, mit Berlin als Magnet für Europa, Toleranz zur Nutzung von neuen Perspektiven und Technologie und gab zu verstehen, dass gerade Toleranz, als harter Wirtschaftsfaktor für Vielfalt und Diversität, Wohlstand langfristig erhalten kann.

Die Diskutanten auf dem Podium waren sich demnach einig: Die Zukunft der Region liegt in der Nutzung komplementärer Stärken. Roland Sillmann: „Wir haben Flächen, Know-how und Ideen. Es braucht eine wissensbasierte Industrie – und den Mut, die eigenen Stärken zu verbinden und dadurch Selbstvertrauen aufzubauen.“

Visionen: Perspektiven wechseln, Menschen einbeziehen

Ein weiterer kritischer Punkt: Die Region leide unter einem Mangel an positiver Zuversicht. Brandenburg zähle zwar zu den innovativsten Bundesländern, doch wie Giffey anmerkte: „Menschen, die Zeit der Transformation der 90er gemeistert haben, müssten jetzt jede Zuversicht haben, dass sie jeden Umbruch auch in Zukunft schaffen.“

Nils Busch-Petersen (Handelsverband Berlin-Brandenburg e.V.) forderte entsprechend auf, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen: „Es fehlt in Strategien der Fokus auf die Leute und deren Bedarfe. Lebensqualität und Handel sind die Grundbasis.“ Sein Appell: Visionen müssen lebenswert sein – durch gemeinsame Investitionen in Infrastruktur, Bildung und soziale Sicherheit.

In der Gestaltung der Transformation betonte Nele Techen (DGB Berlin-Brandenburg) die Bedeutung der Einbindung Betriebsräte: „Betriebsratswahlen thematisieren die Ängste über die Jobs von morgen. Wir müssen die Leute auffangen und Schließungen abfedern. und Karsten Knobbe (ehem. Bürgermeister Hoppegarten und Mit-Initiator des KNF e.V.) ergänzte um die Potentiale kommunaler Vernetzung und betonte die Notwendigkeit, informelle Zusammenschlüsse wie das kommunale Nachbarschaftsforum als Dialogpartner in politische Entscheidungsprozesse einzubinden.

Fazit: Es braucht mehr Sichtbarkeit für das Engagement auf lokaler Ebene.

Ansatzpunkte für ein gemeinsames Zukunftsbild

Die Teilnehmenden formulierten klare Handlungsempfehlungen für die Zukunft:

  1. Gemeinsame Strategien und Strukturen
    • Regelmäßige Austausche zwischen den Ressorts (Franziska Giffey: „Ein gemeinsames Wirtschaftsministerium ist verfassungsrechtlich nicht möglich – aber enge Verzahnung und Arbeitsgruppen sind essenziell.“)
    • Klares Commitment beider Länder, unterstützt durch Haushaltsmittel und umsetzungsstarke Teams.
  2. Internationalisierung und Diversifizierung
    • Die Region muss sich im internationalen Vergleich positionieren – als Innovationsregion, die mit Metropolen wie Amsterdam oder Warschau mithalten kann.
    • Mehr Partnerstädte und Büros im Ausland, um die Wirtschaftsbeziehungen zu stärken (Ost und West).
  3. Fokus auf Technologie und Zukunftsbranchen
    • Sicherheit, Energie, Klima und Katastrophenschutz als Schwerpunkte.
    • KI, Gleichberechtigung und Start-up-Förderung als Treiber für neue Arbeitsmodelle.
  4. Kultur und Gesellschaft als Teil der Wirtschaft
    • Wie Franziska Giffey betonte:„Wir müssen verstehen, wie Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zusammenwirken. Potenziale wie der Zentrengipfel zeigen, wie wichtig dieser ganzheitliche Ansatz ist.“
  5. Mehr Selbstbewusstsein und Werbung für die Region
    • André Fritsche forderte: „Es braucht mehr Werbung und Visionen. Allein sind wir zu wenig – wir müssen darüber hinausdenken.“
    • Roland Sillmann ergänzte: „Berliner müssen das Potenzial der Region mehr wahrnehmen und daraus selbst Vertrauen schaffen.“

Fazit: „Zukunft gibt es nur gemeinsam“

Das Zukunftsforum Berlin-Brandenburg 2026 zeigte: Die Region hat das Potenzial, eine Vorreiterrolle einzunehmen – doch nur, wenn Berlin und Brandenburg zusammen denken, handeln und investieren. Richard Meng als Vorstand der Stiftung Zukunft Berlin schloss in seinem Abschied: Es braucht einen breiten Ansatz für Fortschritt und Wirtschaft – und das wichtigste sei, die Menschen mit neuen Ideen zu begeistern. Wie Franziska Giffey abschließend betonte:

„Wir wünschen uns mehr Entschlossenheit und mehr Zutrauen – besonders bei großen Vorhaben. Die Metropolregion ist bereit für die Zukunft – aber sie muss sie gemeinsam gestalten.“


Wir danken dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) als Kooperationspartner der Veranstaltung für die Unterstützung.

Projektförderung im Rahmen des Berlin-Forums durch:


Ausblick

In den kommenden Monaten möchte die Stiftung Zukunft Berlin diese Debatte weiterführen und unterschiedliche Perspektiven aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringen. Gemeinsam mit dem Tagesspiegel lädt die Stiftung Zukunft Berlin am 7. Mai zur Diskussionsveranstaltung „Mehr Berlin. Was die Stadt jetzt braucht.“ in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften ein. Hier geht´s zur Anmeldung.