Das war Nachbarn bei Nachbarn in Nennhausen: Kultur und Geschichte in einer lebendigen Gemeinde
Am 6. September 2026 kamen Gäste aus Berlin und Brandenburg in der mittelalterlichen Dorfkirche Nennhausen zusammen, um gemeinsam Geschichte, Literatur und Kultur zu erleben. Im Mittelpunkt stand die Lesung aus Friedrich de la Motte Fouqués „Undine“ – ein Werk, das eng mit dem Ort verbunden ist, da der Autor es während seines Aufenthalts auf Schloss Nennhausen verfasste. Nina Maria Wyss las mit Hingabe Auszüge des Kunstmärchens, während die Familie Arzt mit ihrer Musik den Nachmittag bereicherte. Aurelia und Undine Arzt, in Begleitung und mit einem Nachwort ihrer Mutter, schufen eine atmosphärische Untermalung, die die Zuhörenden in eine Welt entführte, in der Sage und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen.



Der Nachmittag bot zudem Raum für Geschichtsaufarbeitung und zeigte das starke ehrenamtliche Engagement der hiesigen Dorf- wie Kirchengemeinde. In ihren Begrüßungen betonten Anne Haertel – in ihrer Rolle als Vorsitzende des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. sowie als Mitglied der Arbeitsgruppe Nachbarn bei Nachbarn – und Katharina Hoeft vom Kulturverein Nennhausen e.V. die vielseitigen Möglichkeiten, sich länderübergreifend als aktives Mitglied in Gesellschaft und Gemeinschaft zu engagieren. Sie unterstrichen dabei die Notwendigkeit zusammenzurücken, die eigenen Potentiale zu nutzen und so das Zusammenleben lebendig zu gestalten.



Der junge Pfarrer Jan-Niclas Bertram, der seit über einem halben Jahr die vielen Kirchen der Evangelischen Reformationsgemeinde Westhavelland zusammenbringt, betonte die Bedeutung der Kirche als Begegnungsort und Kulturbetrieb. Trotz struktureller Veränderungen nach 1990 habe sie ihr Potenzial als lebendiger Mittelpunkt des Dorfes bewahrt. Sein Vortrag führte durch die Geschichte der Christianisierung der Region und hob die Rolle der Kirche als Ort der Gemeinschaft und ihre Verbindung zu lokalen Adelsfamilien wie den von Stechow, von Rochow und von Briest und deren Wirken für den Ort und die Region hervor.

An diese Erinnerung knüpfte auch Dirk Hoeft vom Kulturverein Nennhausen in Stellvertretung des Fördervereins Schloss- und Landschaftspark Nennhausen in seiner Führung durch den Park an. Herr Hoeft führte die Gruppe durch den Schlosspark und teilte lebendige Einblicke in die bewegte Vergangenheit des Ortes – auch Fouqué und weitere Persönlichkeiten, die hier wirkten, prägten die Führung.



Ein besonderes Highlight war die aktive Einbindung der Gemeinde: Der Kulturverein Nennhausen lud zum Austausch bei Kaffee und Kuchen im Alten Gärtnerhaus und dem sonnigen Vorgarten mitten im Ortszentrum ein, wo sich Berliner:innen und Brandenburger:innen über Gemeinsamkeiten und die Möglichkeiten von kulturellem und sozialem Wirken austauschten. Die Vorsitzende des Vereins, Katharina Hoeft, unterstrich, wie wichtig es sei, die Gemeinde und Gäste durch niedrigschwellige Angebote und gemeinsame Aktivitäten weiter zu stärken und zum Mitwirken zu animieren. Die Zusammenarbeit der Vereine – vom Förderverein über den Kulturverein bis zur Kirchengemeinde – zeigte, wie der Ort durch ehrenamtliches Engagement lebendig bleibt und die Gäste ebenso wie die Arbeitsgruppe Nachbarn bei Nachbarn selbst inspiriert.

Ein herzlicher Dank gilt allen Mitwirkenden und Gästen, die diesen Nachmittag zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben: Nina Maria Wyss für die inspirierende Lesung, der Familie Arzt für die verbindende und bereichernde Musik, die uns am Ende der Lesung sogar zu einem gemeinsamen Kanon inspirierte und so den Ausklang perfekt gestaltete. Dirk Hoeft für die historische Führung sowie den ehrenamtlich Engagierten des Kulturvereins und der Kirchengemeinde. Besonders zu würdigen ist auch die Kooperation der AG Nachbarn bei Nachbarn der Stiftung Zukunft Berlin mit dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., dem Förderverein Schloss- und Landschaftspark Nennhausen und der Reformationsgemeinde Westhavelland und ihrem engagierten, neuen Pfarrer Jan-Niclas Bertram. Ein besonderer Dank geht an die ehrenamtliche Bürgermeisterin Nadine Trägenap, die die Gäste zum Abschluss herzlich bei einem letzten Umtrunk verabschiedete. Wir danken ebenfalls der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, dem Kulturverein Nennhausen und der Reformationsgemeinde Westhavelland als Förderern der Veranstaltungsreihe.

Der Tag endete mit der Gewissheit, dass Geschichte, Kultur und ehrenamtliches Engagement in Nennhausen lebendig sind – und dass solche Begegnungen Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen. Wir freuen uns auf weitere gemeinsame Momente!
Seit Oktober 2013 veranstaltet die Stiftung Zukunft Berlin Lesungen mit Künstlerinnen und Künstlern aus Berlin in einer der zahlreichen geschichtsträchtigen Dorfkirchen Brandenburgs. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es nach wie vor, dass Berliner und Brandenburger einander und die Umgebung kennenlernen und gemeinsam einen wunderbaren Nachmittag in Brandenburg verbringen.




