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Baumschulenweg
Der Stadtteil Baumschulenweg im Bezirk Treptow-Köpenick ist ein lebendiger und vielfältiger Kiez im Südosten Berlins.
Die Baumschulenstraße bildet das Zentrum der Bezirksregion, welches sich durch eine Mischung aus ruhigen Wohnquartieren, grünen Naherholungsflächen und einer gut entwickelten Infrastruktur auszeichnet. Der Friedhof, der Plänterwald, der Uferweg entlang der Spree und der direkte Eingang zur Königsheide bieten einen wichtigen Ausgleich zur Wohnbebauung. In diesem Sozialraum lebt eine Gemeinschaft, die geprägt ist von einer alternden Bevölkerung, aber auch von Familien, Zuwanderern und Menschen unterschiedlichster Herkunft. Diese Vielfalt macht den Baumschulenweg zu einem Ort, an dem Gemeinschaft, Solidarität und sozialer Zusammenhalt im Mittelpunkt stehen und an denen unsere Initiative für den Wandel kirchlicher Räume ansetzen möchte.
- Einwohnerzahl: ca. 19.400 Einwohner:innen (2024)
- Fläche: ca. 4,8 km²
- Bevölkerungsdichte: etwa 4.043 Personen/km²
- Altersstruktur: Das Durchschnittsalter liegt bei rund 45 Jahren, damit etwas höher als im gesamten Bezirk. Besonders häufig vertreten sind Menschen ab 65 Jahren, was einen hohen Anteil älterer Menschen im Stadtteil bedeutet.
- Familien und Kinder: Der Anteil junger Familien steigt, was den Bedarf an familiengerechten Angeboten und Infrastruktur erhöht.
- Migration: Der Anteil an ausländischer Bevölkerung ist mit 16,3% deutlich unter den Anteilswerden des Landes Berlin.
In der sozialen Lage zeigt sich der Kiez Baumschulenweg größtenteils stabil und ausgewogen. Die Arbeitslosenquote ist rückläufig und die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt stetig. Der Anteil an Transferleistungsbeziehern entspricht dem bezirklichen Durchschnitt. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Planungsräumen: Im Bereich Späthsfelde ist eine erhöhte Quote an Transferleistungsbeziehern und sozial schwierigen Lebenslagen feststellbar.
Besonders die sozialen Herausforderungen liegen in der Unterstützung älterer Menschen, die oft im hohen Alter auf Unterstützung angewiesen sind, sowie bei Familien mit Kindern oder Alleinerziehenden, die von Familienförderung und sozialer Infrastruktur profitieren können. Die soziale Infrastruktur ist vorhanden, sollte aber weiterhin ausgebaut und an die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner angepasst werden, um die Teilhabe aller Generationen zu sichern.
Der Kiez verfügt über eine vielfältige Infrastruktur, die das Gemeinschaftsleben fördert. Zahlreiche Kindertagesstätten, Grundschulen, Kultur- und Freizeitangebote, sowie Senioreneinrichtungen ermöglichen Begegnung und gemeinsames Erleben. Öffentliche Spielplätze, Grünanlagen und Parks wie der Treptower Park und der Plänterwald bieten Raum für Erholung und Bewegung im Grünen.
Die Baumschulenstraße als urbanes Zentrum ist Austragungsort für kulturelle Veranstaltungen und lokale Wirtschaft. Hier sind Gewerbetreibende, Vereine und Initiativen vernetzt, die das nachbarschaftliche Zusammenleben aktiv gestalten. Es bestehen einige Förderprogramme, die die Entwicklung des Stadtteils in den Bereichen Grünflächen, soziale Infrastruktur und städtische Gemeinschaft in den kommenden Jahren stärken sollen.
Projekte und Förderprogramme
Im Bereich der Förderprogramme existiert das Programm „Lebendige Zentren und Quartiere“, das seit 2019 im Gebiet um die Baumschulenstraße und die Köpenicker Landstraße umgesetzt wird. Verantwortlich ist die Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG, die im Auftrag des Bezirks ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, den Verkehr zu beruhigen und die Infrastruktur aufzuwerten.
Ergänzend dazu stellen die Kiezkasse und die FEIN-Mittel finanzielle Mittel bereit, um lokale Initiativen, Vereine und engagierte Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen. Mittlerweile stehen 100.000 EUR im Haushaltsplan des Bezirks Treptow-Köpenick für die Kiezkassen zur Verfügung, verteilt auf die 20 Bezirksregionen. Im Jahr 2020 wurden 49.400 EUR von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen bereitgestellt, um soziale Projekte und infrastrukturelle Verbesserungen im Stadtteil zu fördern.
Neben diesen Förderprogrammen lassen sich diverse Initiativen und Akteure vor Ort benennen. Der Bürgerverein Baumschulenweg e.V. setzt sich für die Verbesserung der Lebens- und Wohnqualität ein und fördert die Gemeinschaft im Kiez, während die Bürgerinitiative Grünes Dreieck Späthsfelde e.V. den Erhalt und Schutz der Kleingärten in dieser Region anstrebt. Daneben engagiert sich das Bürgerkomitee Plänterwald für den Erhalt des gleichnamigen Waldes engagiert und organisiert jährlich den „Tag des Plänterwaldes“.
Weitere wichtige Akteure sind die Familienzentren, wie der Familientreff Villa Klecks, der Familienbildungsangebote wie Geburtsvorbereitungen, Krabbel- und Ernährungskurse sowie Vernetzungsarbeit mit weiteren Trägern der Region bereitstellt. Das Jugend- und Familienzentrum „RumBa“ ist ein offener Treffpunkt für Eltern, Familien, Kinder, Jugendliche und weitere Menschen aus Treptow-Köpenick. Ergänzend bietet die GEFA gGmbH Unterstützung für Eltern in schwierigen Lebenssituationen und engagiert sich in der Familienarbeit. Der Frauentreff Schutzhülle e.V. bietet generationsübergreifende Lebenshilfe und kreative Angebote wie Keramik, Malerei und Textilarbeit an.
Der KIEZKLUB Treptow-Kolleg bietet ein breites Programm aus Kultur, Kunst, Bildung, Information, Sport und kreativen Aktivitäten. Ziel ist es, Begegnungen zu ermöglichen, soziale Kontakte zu fördern und unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erleichtern. Das Regionale Begegnungszentrum Süd der Volkssolidarität ergänzt dieses Angebot mit Beratung, Betreuung, Veranstaltungen, Ausflügen, Kontaktvermittlung und allgemeiner Sozialberatung.
Eine kulturelle Perspektive bringt der Kulturring in Berlin e. V. – Kulturbund Treptow ein. Mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Publikationen und weiteren Projekten trägt der Verein zur kulturellen Vielfalt im Stadtteil bei und verbindet das lokale Angebot mit der überregionalen freien Kunst- und Kulturszene.
Die Kiez-AG bringt insbesondere freie Träger der Bildungs- und Jugendarbeit zusammen. Sie dient dem Informationsaustausch, der gegenseitigen Vernetzung und der Entwicklung gemeinsamer Kooperationen und tagt regelmäßig. Ein weiteres wichtiges Forum ist der Runde Tisch Baumschulenweg, an dem Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kultur, Kirche und Vereinen zusammenkommen.
Zur Koordination und Vernetzung existieren mehrere formale und informelle Austauschformate. So findet mindestens einmal jährlich eine Bürger:innenversammlung im Rahmen der Kiezkasse statt, bei der Bewohner:innen gemeinsam über die Verwendung der Mittel entscheiden. Die Gebietskoordination der sozialraumorientierten Planungskoordination (SPK) fungiert als zentrale Plattform zur Vernetzung, Moderation sowie zum Austausch über lokale Initiativen und Akteure. Darüber hinaus existiert die Online-Beteiligungsplattform „meinBerlin“, die eine Übersicht über vorhandene Vorhaben und Projekte bietet und zur Beteiligung aufruft.
Die Kirchengemeinde Baumschulenweg ist ebenfalls ein etablierter Bestandteil des sozialen Netzwerks im Kiez. Neben Gottesdiensten gehören unter anderem Ehrenamtsförderung, Krabbelgruppen, ein Weltladen, Ausstellungen und Angebote für Jugendliche zu ihrem Tätigkeitsfeld. Darüber hinaus arbeitet die Gemeinde mit anderen Akteuren im Stadtteil zusammen und ist ein fester Kooperationspartner des Bürgervereins Baumschulenweg.
Dass Kirchen weit mehr sein können als Orte für Gottesdienste, zeigt sich in Baumschulenweg bereits heute. Die Kirche Zum Vaterhaus bringt bereits vielfältige Erfahrungen mit unterschiedlichen Formen gemeinschaftlicher Nutzung mit. Neben Gottesdiensten und kirchlichen Gruppenangeboten finden hier auch Konzerte, kulturelle Veranstaltungen und Projekte für Kinder, Jugendliche und Familien statt. Im Garten wird gemeinsam gegärtnert, am Feuer zusammengesessen und Pizza gebacken. So entstehen Begegnungen zwischen Menschen, die sich im Alltag vielleicht gar nicht begegnet wären. Die Gemeinde verfolgt dabei das Anliegen, ihre Räume auch Menschen zugänglich zu machen, die keinen unmittelbaren Bezug zur Kirche haben, und sie als Orte des sozialen Miteinanders weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie diese punktuellen Begegnungen verstetigt und für weitere Teile der Nachbarschaft zugänglich gemacht werden können. Gesellschaftliche Veränderungen, begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen sowie die Schwierigkeit, langfristig genügend ehrenamtlich Engagierte zu gewinnen, stellen gemeinschaftlich getragene Angebote vor Herausforderungen. Zugleich wächst die Bedeutung von Orten, an denen Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenssituationen unkompliziert miteinander in Kontakt kommen, sich gegenseitig unterstützen und eigene Ideen für das Zusammenleben entwickeln können. Die vorhandenen räumlichen Möglichkeiten und bisherigen Erfahrungen bilden dafür eine wichtige Grundlage, deren Potenzial durch eine gezielte Weiterentwicklung noch stärker ausgeschöpft werden kann.
Die vielfältigen Initiativen und Beteiligungsformate zeigen, dass in Baumschulenweg bereits ein starkes Fundament für gemeinschaftliches Engagement und nachbarschaftliche Zusammenarbeit besteht. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig Orte sind, an denen diese unterschiedlichen Aktivitäten zusammenkommen, sich weiterentwickeln und neue Verbindungen entstehen können.
An solche Erfahrungen möchten wir anknüpfen: Im Mittelpunkt steht die Frage, wie kirchliche Räume über ihre bisherigen Nutzungen hinaus als niedrigschwellige, generationenübergreifende und offene Orte gestaltet werden können. Sie sollen Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung, kulturelle und soziale Aktivitäten sowie für die Entwicklung eigener Initiativen bieten. Dabei geht es nicht allein um die räumliche Öffnung, sondern auch um die Förderung von Beziehungen, Teilhabe und gemeinschaftlicher Handlungsfähigkeit. Denn ein lebendiger Kiez entsteht dort, wo Menschen einander begegnen, sich willkommen fühlen und erleben, dass sie gemeinsam etwas bewegen können.
Besonders wichtig ist dabei die Frage, wie ein solcher Ort langfristig lebendig und von den Menschen im Kiez getragen werden kann. Deshalb steht die gemeinsame Entwicklung mit den lokalen Akteurinnen und Akteuren im Zentrum des Vorhabens. Bestehende Netzwerke und Erfahrungen werden aufgegriffen, neue Kooperationen ermöglicht und konkrete Nutzungsideen gemeinsam erprobt. Die gewonnenen Erfahrungen, Erkenntnisse und erprobten Beteiligungs- und Nutzungskonzepte sollen dokumentiert und zu einem übertragbaren Modell weiterentwickelt werden. So kann aus dem Projekt in Baumschulenweg ein Ansatz entstehen, der auch für andere Kirchen und Stadtteile als Orientierung dienen kann, wenn kirchliche Räume zukünftig stärker für soziale, nachbarschaftliche und gemeinschaftliche Zwecke geöffnet und weiterentwickelt werden sollen.
