Runder Tisch Wohnen am 12. November 2025 zum Thema Flächenmanagement

Berlin steht vor der Herausforderung, begrenzte Flächenressourcen gleichzeitig für Wohnungsbau, Wirtschaft und Gewerbe, soziale Infrastruktur sowie Klima- und Naturschutz zu sichern. Vor diesem Hintergrund widmete sich der Runde Tisch Wohnen der Stiftung Zukunft Berlin am 12. November 2025 dem Thema Flächenmanagement. Rund 30 Teilnehmende aus Verwaltung, Wohnungswirtschaft und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um über Zielkonflikte, Steuerungsmöglichkeiten und Umsetzungshemmnisse zu diskutieren.

Im Zentrum stand die Frage, wie Berlin seine Flächen strategisch steuern kann, um den hohen Wohnraumbedarf zu decken, ohne zentrale Funktionen der Stadt, insbesondere Produktion und Gewerbe, zu gefährden.

Flächenknappheit als strukturelles Problem

Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war die gemeinsame Einschätzung, dass sowohl Wohnbau- als auch Gewerbeflächen gleichermaßen knapp und für die Stadt unverzichtbar sind. Viele potenziell verfügbare Flächen sind in der Praxis jedoch kaum aktivierbar, etwa aufgrund von Immissionsschutzauflagen, komplexen Eigentumsverhältnissen, fehlenden Ausgleichsflächen oder unzureichender Erschließung. Diese Einschränkungen müssen bei der Bewertung von Flächenpotenzialen stärker berücksichtigt werden.

Aktivierung bestehender Wohnbaupotenziale priorisieren

Breite Zustimmung fand die Forderung, zunächst vorhandene Wohnbaupotenziale – insbesondere auf landeseigenen Flächen – konsequent zu aktivieren. Neue Ausweisungen oder Umwidmungen sind zeitaufwendig und erzeugen häufig zusätzliche Nutzungskonflikte. Bestehende, bereits identifizierte Potenziale bieten hier kurzfristigere Handlungsspielräume, stoßen jedoch ebenfalls auf Umsetzungshemmnisse wie steigende Baukosten oder aufwendige Genehmigungsverfahren.

Wohnen und Gewerbe im Zielkonflikt

Die Diskussion verdeutlichte die strukturelle Asymmetrie zwischen Wohn- und Gewerbenutzungen. Während neue Wohnnutzungen bestehende Gewerbestandorte stark einschränken können, ist das Nebeneinander umgekehrt kaum möglich. Gewerbliche und produktive Nutzungen wurden als zentrale Wertschöpfungsfaktoren für die Stadt hervorgehoben. Nutzungsmischungen sollten daher nicht isoliert auf Einzelgrundstücken, sondern strategisch auf Quartiersebene geplant werden. Hybridlösungen müssen mögliche Nachbarschaftskonflikte von Beginn an mitdenken.

Verwaltungskapazitäten und Verfahren als Schlüssel

Ein wiederkehrendes Thema war die Rolle der Verwaltung. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum erfordert aus Sicht der Teilnehmenden eine klarere Priorisierung, flexiblere Reaktionen auf veränderte Rahmenbedingungen sowie schlankere, projektorientierte Verfahren. Flächennutzungs- und Bebauungspläne wurden vielfach als zu unflexibel beschrieben. Instrumente wie der sogenannte Bauturbo können nur dann Wirkung entfalten, wenn sie durch ausreichende personelle und organisatorische Kapazitäten flankiert werden.

Transparenz und Kommunikation verbessern

Angesichts vielfältiger Zielkonflikte, etwa zwischen Wohnen und Gewerbe, Klima- und Naturschutz versus Dichte oder zwischen Bezirks- und Landesebene, wurde der Bedarf nach mehr Transparenz betont. Entscheidungen werden für alle Beteiligten nachvollziehbarer, wenn rechtliche Rahmenbedingungen, Abwägungskriterien und Verfahrenszwänge klar kommuniziert werden. Frühzeitige Abstimmungen, offene Kommunikation und beschleunigte Entscheidungswege wurden als zentrale Hebel benannt.